Die Bedeutung des weihnachtlichen Festessens - ein Plädoyer fürs Schlemmen


Das Fest der Liebe wird von jeher weltweit von überlieferten Bräuchen geprägt. Einer der schönsten ist das gemeinsame Weihnachtsessen im Familien – oder Freundeskreis. Dazu gehören Punsch, Lebkuchen, Plätzchen und in vielen Familien die herrliche Tradition, einen Gänse-, Enten- oder Truthahnbraten zuzubereiten und gemeinsam zu genießen.

Mit dem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein in unserer Gesellschaft schleichen sich in dieses wundervolle kulinarische Brauchtum immer häufiger Bedenken bis hin zu schlechtem Gewissen ein, was medial auch gerne verstärkt wird. Der Gänsebraten ist zu fettig, die Süßigkeiten sind ungesund und überhaupt ist die Weihnachtszeit viel zu kalorienreich. Diese Argumente sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Dennoch lohnt es sich, das Thema Festessen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Und Sie werden feststellen, dass es eine ganze Reihe von Gründen gibt, warum wir das Weihnachtsessen mit bestem Gewissen so richtig genießen sollten.

Das gemeinsame Weihnachtsmenü stärkt die Familienbande und hat eine hohe soziokulturelle Bedeutung

Verführerisches Essen und Weihnachten gehören einfach zusammen. Bei keinem anderen christlichen Fest haben die gemeinsamen Mahlzeiten einen so hohen Stellenwert innerhalb der Familie, wie an den Weihnachtstagen.

Und obwohl Essen ein physiologisches Grundbedürfnis ist, das alle Menschen vereint, hat es auch eine starke soziokulturelle Prägung. Vor allem in Europa wird unser Essverhalten immer individueller und stilisiert sich teilweise geradezu zum Ausdruck unserer Persönlichkeit. Dabei hängen die Vorlieben von den Eindrücken unserer Kindheit ab, aber auch von der Vielzahl der späteren Beziehungen, die wir innerhalb unseres gesellschaftlichen und kulturellen Umfelds pflegen.

Sicherlich wegen der verbindenden christlichen Traditionen spielt die persönliche Individualität für das Weihnachtsessen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Obgleich die Rezepte natürlich variieren, wird die Tradition der Weihnachtsgans bereits seit dem 15. Jahrhundert in vielen Ländern gepflegt. Ähnlich verhält es sich mit Gebäck & Co, die die typischen Weihnachtsgewürze enthalten. Süßigkeiten gehören in der ganzen Welt mit zum Weihnachtsfest: Sei es der Christmas Pudding in Irland, Kokosplätzchen in Brasilien oder der Weihnachtskuchen in Südkorea.

Trotz der zunehmenden Internationalisierung der Essgewohnheiten hält Weihnachten in vielen Haushalten wieder das überlieferte und traditionelle Festessen Einzug. Und das ist auch gut so! Viele Familien pflegen ihre kulinarischen Weihnachtstraditionen und somit auch die Erinnerungen an die vorherigen Generationen. Da werden die Plätzchen nach einem alten Rezept der Tante gebacken und der Nachtisch nach Art der Großmutter zubereitet. Diese gemeinsamen Esstraditionen stärken die eigene Identität und das Zugehörigkeitsgefühl innerhalb der Familie.

Psychologisch gesehen ist das Festessen wie eine Zeitreise in die Kindheit

In dem berühmten Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ des französischen Schriftstellers Marcel Proust wird beschrieben, wie der Geschmack eines in Lindentee getunkten Madeleins (französisches Gebäck) bei einem jungen Mann urplötzlich die Erinnerung an seine Kindheit hervorruft. Mittlerweile weiß man, dass Gerüche und Geschmäcker uns tatsächlich in Erregungszustände versetzen und unsere Erinnerungen besonders stark aktivieren können.

Und lieben wir nicht Weihnachten dieses sogenannte Proust-Phänomen? Der Bratapfelgeruch und der Geschmack von Lebkuchen führen uns direkt zu unseren Kindheitserinnerungen. Zu einer Zeit, als für die meisten von uns Weihnachten unbeschwert (wir mussten uns um nichts kümmern) und gleichzeitig spannungsgeladen war (wird der Weihnachtsmann wohl meinen Wunsch erfüllen?). Auf jeden Fall voller Freude.

Für uns Erwachsene ist die Vorweihnachtszeit häufig mit organisatorischem Stress verbunden: beruflich müssen die letzten Projekte vor Jahresende erledigt werden, für die Familie und Freunde gilt es passende Geschenke zu finden und auch die Planungen rund um das Weihnachtsfest an sich lassen den Cortisolspiegel bei vielen Menschen ansteigen. Hintergrund ist häufig die unterschwellige Angst vor zwischenmenschlichen Konflikten, die nicht selten in Verbindung mit der gefühlsgeladenen Adventszeit und überzogenen Erwartungen Heiligabend ihren Höhepunkt finden.

Hier helfen Gelassenheit und Toleranz als auch eine große Portion vom Festessen, denn ein besonderer Geschmack und spezielle Aromen verbinden wir mit glücklichen Erinnerungen und positiven Empfindungen. In diesem Sinne setzen wir – ganz unbewusst - die Weihnachtsgans mit Geborgenheit und Liebe gleich, eben mit genau den Gefühlen, die wir uns Weihnachten wünschen.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht werden die Auswirkungen der weihnachtlichen Kulinarik häufig überschätzt

Das alte Sprichwort „Man wird nicht zwischen den Jahren dick!“ hat durchaus einen Wahrheitsgehalt. Durchschnittlich 7000 kcal müssen wir zusätzlich zu unserem persönlichen Kalorienbedarf aufnehmen, um ein Kilogramm an Fettmasse zuzunehmen. Bei drei Weihnachtsfeiertagen bedeutet das ein Plus von über 2000 kcal je Tag. Da lassen sich ganz entspannt eine Portion Gans und etliche Lebkuchen unterbringen. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass wir über Weihnachten durchschnittlich unter 400 g zunehmen und das ist, auch aus Sicht einer Ernährungsberaterin, kein Drama.

Warum die Waage diese Ansicht häufig nicht teilt, liegt daran, dass die Ernährung während der Festtage häufig kohlenhydratreicher und unter Umständen auch salziger ist. In ihrer gespeicherten Form (Glykogen) binden 1 Gramm Kohlenhydrate bis zu 3 Gramm Wasser. Das Salz wirkt zusätzlich flüssigkeitsbindend. Die gute Nachricht: Sobald die Ernährungsweise wieder kohlehydrat- und salzärmer wird, schwemmt der Körper ein Großteil des Wassers wieder aus und die Waage zeigt wieder ein freundlicheres Gewicht an.

Auch moderne Ernährungswissenschaftler, wie Uwe Knop, sind der Ansicht, dass wir die Köstlichkeiten ohne schlechtes Gewissen genießen sollten. Abgesehen davon gibt es ja auch bei typisch weihnachtlichen Lebensmitteln die gesunde Seite: Walnüsse enthalten nervenstärkende B-Vitamine, Zimt stabilisiert bereits in kleinsten Dosen den Blutzuckerspiegel und Grünkohl gilt wegen seiner Vielzahl an Mineralstoffen und Vitaminen als Superfood.

Meine Empfehlung: Das Weihnachtsessen bewusst genießen und zelebrieren, in unsere essbaren Kindheitserinnerungen hinabtauchen und das Jahr 2017 mit Nonchalance beenden!

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